Gehirn-Computer-Interface: Utopie oder bald Realität?

Das Konzept des Gehirn-Computer-Interface liest sich zugegeben wie eine abenteuerliche Zukunftsvision. Im Zeitalter der Industrie 4.0 sind solche Ideen, die bereits seit einigen Jahrzehnten in der Science-Fiction-Literatur vorkommen, spannender Weise längst von der Utopie zu einem Geschäftsmodell mit realer Perspektive geworden.

Was ist ein Gehirn-Computer-Interface?

Das Gehirn-Computer-Interface (GCI), im englischen Brain-Computer-Interface (BCI), ist eine direkte Verbindung zwischen unserem Nervensystem und einem Computer beziehungsweise dem Internet. Grundlage dieses Konzeptes ist die elektrische Aktivität unseres Denkorgans, die eine direkte Verbindung zu einem Computer ermöglichen soll.

Nicht wenige Neurowissenschaftler bezeichnen selbst das Gehirn deswegen als einen biologischen Computer. Ob unser Denken überhaupt mit diesen elektrischen Aktivitäten gleichzusetzen ist, ist allerdings noch nicht restlos geklärt.

Der Sinn eines Gehirn-Computer-Interfaces

Für viele Menschen mag ein solches Gerät wie eine eigenartige Science-Fiction-Fantasie vorkommen. Es gibt jedoch durchaus plausible Argumente, die für die Entwicklung solcher GCIs sprechen.

Das Hauptargument ist, dass aktuell verfügbare Computerschnittstellen im Grunde sehr langsam sind. Über eine herkömmliche Computertastatur oder vergleichbare Bedienelemente, lässt sich vergleichsweise nur sehr wenig Information vermitteln.

Nur wenige Menschen sind dazu in der Lage, mehr als 300 Anschläge pro Minute einzugeben. Nochmals deutlich langsamer sind wir auf portablen Geräten wie Touchscreens. Wenn wir Computer mithilfe unserer Gedankenkraft steuern könnten, könnte dies wesentlich intuitiver und schneller vonstatten gehen und auch sicherer: So ist es aktuell beispielsweise sehr gefährlich, ein Smartphone als Verkehrsteilnehmer aktiv zu bedienen.

Desweiteren argumentiert man, dass wir über ein Gehirn-Computer-Interface in der Zukunft Information nicht nur besser eingeben, sondern auch auch viel schneller aufnehmen könnten. So müssten beispielsweise Informationen nicht mehr aufwändig über die Sinnesorgane aufgenommen werden, sondern könnten ganz einfach direkt downgeloadet werden. Ob und wie dies allerdings funktionieren könnte, ist allerdings noch völlig unklar.

Im Wettlauf mit künstlicher Superintelligenz

  • Ein ein daraus folgendes Argument mancher Befürworter von BCIs klingt sogar noch spektakulärer, und hängt direkt mit der derzeit raschen Entwicklung Künstlicher Intelligenz zusammen: Das Resultat der KI-Entwicklung könnte eines Tages, und manche behaupten, es könnte bereits in den kommenden Jahren geschehen, die Entwicklung einer Superintelligenz sein.

  • Wettlauf Gehirn-Computer-Interface

Dabei handelt es sich um eine KI, welcher der menschlichen Intelligenz in allen Belangen überlegen ist. Da man nicht voraussehen kann, wie sich eine solche KI verhalten würde und befürchtet, diese könnte dem menschen zur Bedrohung werden, sehen manche die Gehirn-Computer-Schnittstelle als vielleicht einzige Chance der Menschen, mit einer solchen Superintelligenz mithalten zu können, oder gar mit ihr eine Art der Symbiose einzugehen, wodurch die Bedrohung abgewendet werden könnte.

So sehr dies alles nach Science Fiction klingt, es gibt einige in dieser Branche einflussreiche Menschen, die diese Szenarien sehr ernst nehmen. Beispielsweise hat Elon Musk mehrfach in Interviews betont, dass diese Überlegungen zu den Beweggründen zählen, das Unternehmen Neuralink überhaupt zu gründen.

Keine Utopie – BCI im Silicon Valley

  • Für viele Menschen mag sich ein Gehirn-Computer-Interface ebenso wie die Argumente ihrer Befürworter verrückt anhören – dem aktuell enormen technologischen Fortschritt ist allerdings geschuldet, dass zahlreiche Unternehmen längst an entsprechenden Prototypen arbeiten.

  • Silicon Valley Gehirn Computer Interface

Beispielsweise hat Facebook erst im April 2017 von einem Prototypen berichtet, an welchem in deren Entwickungslabor Building 8 nach eigenen Angaben ein Team von 60 Forschern arbeiten soll. Dieser besteht aus einem Headset, welcher durch die Messung der Gehirnaktivität in der Lage sein soll, das Texten, oder zumindest die Steuerung einer Computermaus rein durch Gedankenkraft zu ermöglichen.

Weiters hat der zuvor genannte Unternehmer Elon Musk (Tesla-Gründer) kürzlich bekannt gegeben, sich mit dem 2017 gegründeten Unternehmen Neuralink mit der Entwicklung einer invasiven, also direkt im Gehirn platzierten Schnittstelle zu beschäftigen. Dies bringt zwar eine hohes Infektionsrisiko mit sich, hätte im Falle des Erfolgs nochmals deutlich größeres Potential als Facebooks nichtinvasives Gehirn-Computer-Interface.

Man kann also diesen Entwicklungen, so fern ihre Realisierung derzeit noch erscheinen mag, durchaus gespannt entgegenblicken. Denn auch Mobiltelefone, wie sie heute fast jeder Mensch täglich einsetzt, waren vor 50 Jahren noch völlig undenkbar.